Weite Savannenlandschaft unter blauem Himmel mit hohen, vereinzelt stehenden Fächerpalmen und dichtem Gebüsch im Hintergrund

Der vergessene Schatz Cerrado: Warum er das am stärksten bedrohte Naturparadies Brasiliens ist

Wer an die Natur Brasiliens denkt, dem kommt meist sofort der Amazonas in den Sinn – der dichte Regenwald, das undurchdringliche Grün, der Herzschlag des globalen Ökosystems. Kaum jemand jedoch spricht über den Cerrado, das zweitgrößte Biom Brasiliens und gleichzeitig eines der artenreichsten Savannengebiete der Welt. Dabei ist genau dieser Lebensraum heute stärker bedroht als der Amazonas selbst.

Der Cerrado bedeckt etwa ein Fünftel der brasilianischen Landesfläche und versorgt große Teile Südamerikas mit Wasser. Seine biologische und ökologische Bedeutung ist immens – und doch wird er oft übersehen. Monokulturen, Brandrodung und industrielle Landwirtschaft fressen sich still und stetig durch dieses fragile Ökosystem. Im Schatten der globalen Aufmerksamkeit verlieren wir täglich ein Stück seiner einzigartigen Natur.

In diesem Artikel nehmen wir Sie mit in ein Naturparadies, das viele nicht kennen – und das deshalb dringend gesehen werden muss. Sie erfahren, was den Cerrado so besonders macht, warum sein Schutz für Brasilien und die Welt entscheidend ist und wie Sie als bewusster Reisender zur Erhaltung dieses unterschätzten Schatzes beitragen können.

Was ist der Cerrado überhaupt?

Der brasilianische Cerrado ist die artenreichste Savanne der Erde und erstreckt sich über eine Fläche von fast zwei Millionen Quadratkilometern, was in etwa so groß ist wie Mexiko. Er erstreckt sich über die Staaten Goiás, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Minas Gerais. Ebenso bedeckt er Teile von Maranhão, Paraná, Piauí und São Paulo. Das tropische Wechselklima des Cerrado unterscheidet sich in zwei deutlich getrennte Jahreszeiten. Die Regenzeit geht von Oktober bis April. Während dieser Zeit fällt der Großteil der jährlichen Niederschlagsmenge von 1100mm bis 2000mm. Die Trockenzeit herrschte von Mai bis September. Der Cerrado gilt als Herz Brasiliens und ist eine der wichtigsten Wasserressourcen Südamerikas. Der Cerrado ist ein bedeutender CO₂-Speicher. Er gehört zu den wichtigsten natürlichen Kohlenstoffspeichern der Welt und leistet damit einen unverzichtbaren Beitrag zum Klimaschutz.

Die Rolle des Cerrado als „Wiege des Wassers“

Ein häufig unbeachteter Aspekt des Cerrados ist seine Funktion als Wasserspeicher und ‑lieferant. Einige der wichtigsten Flüsse, die ihren Ursprung im Cerrado haben und ihn durchlaufen, sind: der Rio Xingu, der Rio Tocantins, der Rio Araguaia, der Rio São Francisco, der Rio Parnaíba, der Rio Gurupi, der Rio Jequitinhonha und der Rio Paraná. Sollte der Cerrado verschwinden, verlieren nicht nur etliche Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum – auch Millionen von Menschen in Brasilien und seinen Nachbarländern würden die wichtigste Wasserquelle verlieren. Trotz dieser zentralen Rolle wird der Cerrado in der öffentlichen Wahrnehmung übersehen – Zeit, das zu ändern. Denn nur wer ihn kennt, kann ihn auch schützen.

Der Cerrado und seine einzigartige Artenvielfalt

Der Cerrado ist die artenreichste Savanne der Welt. Etwa 5% aller Arten der Erde sind hier vertreten. Im Norden grenzt er an den Amazonas-Regenwald, im Süden an die Mata Atlântica – den atlantischen Küstenregenwald – und im Osten an das Pantanal, das größte Binnenfeuchtgebiet der Welt. Diese Lage hat dem Cerrado die Bezeichnung als Herz Südamerikas eingehandelt. Die Landschaft besteht hauptsächlich aus unendlichen Graslandschaften und Wäldern. Er beherbergt insgesamt mehr als 10 000 Pflanzenarten, von denen etwa die Hälfte nur dort vorkommt. Etwa 200 Säugetierarten, 800 Vogelarten, 150 Amphibienarten, 180 Reptilienarten, 1200 Fischarten und 90.000 Insektenarten sind im Cerrado anzufinden. Die bekanntesten Arten des Cerrado sind der Mähnenwolf, der Taipir und der Jaguar. Das Besondere am Cerrado ist, dass sich 70 % der Biomasse unter der Erde befinden, weshalb der Cerrado auch als: „Wald der auf dem Kopf steht“ bezeichnet wird. Dieses enorme unterirdische Wurzelsystem speichert jährlich enorme Mengen an CO₂ und ist somit ein wichtiger Kohlenstoffspeicher der Erde.

Die unsichtbare Bedrohung – warum der Cerrado schwindet

Durch die landwirtschaftliche Nutzung hat der Cerrado seit den 1950er-Jahren etwa die Hälfte seiner ursprünglichen Vegetation verloren. Heute liegt die für Landwirtschaft genutzte Fläche bei 230 000 Quadratkilometern. Etwa 80 % davon werden zur Herstellung von Soja genutzt. Der Großteil des Sojas wird für den Export nach China, die USA und Europa verwendet. Was zurückbleibt, ist die zunehmende Zerstörung eines der wichtigsten Biome Südamerikas. Brandrodung ist eine der am häufigsten angewandten Methoden, das Land nutzbar zu machen. Diese Feuer werden überwiegend illegal gelegt und geraten schnell außer Kontrolle. Mittlerweile gibt es mehrere Organisationen, die sich dem Schutz des Cerrado verschrieben haben. Jedoch ist der Kampf gegen die illegale Rodung mühsam und gefährlich. Das Bewusstsein für dieses Biom und seine Bedeutung ist bis heute selbst in Brasilien nicht weit verbreitet.

Klimawandel, Feuer und Wasserknappheit

Der Cerrado ist von Natur aus an saisonale Trockenzeiten und damit gelegentliche natürliche Brände gewöhnt. Was jedoch ein Teil des gesunden ökologischen Gleichgewichts war, wandelt sich zunehmend zu einer existenziellen Bedrohung. Oft werden Brände durch Menschen verursacht, um Flächen für die kommerzielle Nutzung zu ebnen. Hinzukommt, dass die Trockenzeiten trockener werden und länger anhalten. Schon heute sind etwa 50 % der Fläche des Cerrado unwiderruflich verloren gegangen. Über die letzten Jahre gab es jedoch einen Rückgang von 11,49 % der durch Menschen verursachten Entwaldung. Der Großteil der freigemachten Flächen des Cerrados wird für die Agrarindustrie genutzt, zum einen für die Zucht von Rindern und zum anderen für den Anbau von Soja. Durch diese Entfremdung des Landes, wird die klimatische Krise des Landes nur verschärft.

Wie kann die Zerstörung des Cerrado verhindert werden?

Damit der Cerrado eine Überlebenschance bekommen kann, müssen alle verbleibenden Gebiete unter strengen Schutz gestellt werden. Diese Gebiete sollten an die Ureinwohner des Cerrado zurückgegeben werden. Genau wie im Amazonasgebiet sind Gebiete, die von Indigenen verwaltet werden, häufig deutlich gesünder und widerstandsfähiger. Durch ihr uraltes Wissen über die Vegetation und die Zusammenhänge im Cerrado wissen Indigene am besten, das Land wieder in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Der Cerrado als Reiseziel

Der Cerrado ist ein einzigartiges Biom und lohnt sich auch als Reiseziel. Das bekannteste Reiseziel des Cerrados ist der Nationalpark Chapada dos Veadeiros, welcher zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Hier bietet die Natur ein wundervolles Schauspiel an heimischer Vegetation, Wasserfällen und überragenden Ausblicken auf den vielen Wanderwegen. Ein weiteres Highlight des Cerrado ist

Fazit

Der Cerrado ist eines der wichtigsten Biome Brasiliens und versorgt durch die Flüsse, die in ihm entspringen, einen Großteil Brasiliens mit Wasser und dient durch das tief liegende Wurzelgeflecht als CO₂-Senke. Die ideale Nutzbarkeit für die Landwirtschaft wird den Cerrado jedoch zunehmend zum Verhängnis. Nur durch intensiven Schutz und die Rückgabe des Landes an die ursprünglichen Bewohner hat der Cerrado noch eine Zukunft. Die artenreichste Savanne der Welt benötigt unsere Unterstützung. Die Folgen eines kompletten Verlustes, sind für die Welt nicht auszumalen.